Reisetagebuch Ardèche 2013

Vom 20. - 24. August 2013 führte der TC BW Bohlsbach seinen diesjährigen Ardècheausflug durch. Aus naturschutzrechtlichen Gründen erhielten wir dieses Jahr von zentraler Stelle in Paris leider nur für 2 Boote eine Durchfahrungsgenehmigung der Schlucht.
Die fachkundigen Organisationsleiter Jürgen und Tobias waren automatisch gesetzt. Für die Besetzung des zweiten Kanus gab es fast 50 Bewerbungen. In einem knallharten eintägigen Assessment-Center mussten die geeigneten Kandidaten ermittelt werden. Es galt unterschiedliche Aufgaben wie Mineralwasserblindverkostung, Erkennen von Bootstypen (Ruderboot, U-Boot, Kajak, Kanu, Flugzeugträger) und Strömungskunde (Fließrichtung des Flusses bestimmen), um nur einige der vielfältigen Aufgabenstellungen zu nennen, erfolgreich zu bewältigen.
Letztendlich wurden so Michael (nicht verwandt und verschwägert mit Jürgen sondern lediglich über mehrere Ecken mit ihm verbrüdert) und Bernd als weitere Mitfahrer ermittelt. Des Weiteren wurde das Team von unserem Ardèche-Guru Fritz mit Rat und Tat auf vielfältige Weise tatkräftig unterstützt.

              
Am Dienstag um 18:15 Uhr verliessen wir Offenburg und erreichten nach 7 Stunden Fahrzeit unseren ersten Biwakplatz in Saint-Martin-D'Ardèche. Am Mittwoch Morgen, nach einem reichhaltigen Frühstückbuffet, deckten wir uns auf dem hiesigen Markt mit dem nötigen Proviant ein. Auf der Fahrt zum Startpunkt bei Vallon-Pont-d'Arc gab es zahlreiche Gelegenheiten von ausgewählten Aussichtspunkten diese grandiose Schlucht von oben zu betrachten. Aufgrund des aktuellen Wasserstandes der Ardèche berechnete in Offenburg unser technischer Leiter Fritz  den für die Stabilität und Trimmung der Kanus absolut notwendigen Ballast. In diesem Fall waren 100 Dosen Bier, 60  Dosen Cola und zwei 5-Liter Kanister mit Rose-Wein ausreichend.

Um 15:00 Uhr wurden unsere Kanus zu Wasser gelassen und das große Abenteuer begann. Im Führungskanu saßen Jürgen und Michael, im zweiten Kanu Bernd und Tobias. Bereits in der zweiten Stromschnelle demonstrierten Jürgen und Michael den vielen französischen Kanuten ihr einzigartiges Können und führten an der engsten Stelle, in der stärksten Strömung, die fachgerechte Bergung eines gekenterten Kanus durch. Nachdem ein paar Flusskilometer weiter die Schlüsselstelle, die enge und schmale Durchfahrung des Pont D'Arc, erfolgreich von uns bewältigt wurde, konnte ganz entspannt das „Biwak Gaude“ angefahren werden. Nachdem wir uns alle zum Dinner in Schale geschmissen hatten, gab es frisch gegrillte Steaks, Merquez, Bauchspeck und mehr Salat als notwendig. Für Unterhaltung sorgte ein Wildschwein das ab und zu den Biwakplatz nach verwertbaren Essensresten durchkämmte.
              

Der nächste Tag fing mit einem ausgedehnten gemütlichen Frühstück an. Wir hatten alle Zeit der Welt, da es zum nächsten „Biwak Gournier“ lediglich 5 Flusskilometer zu bewältigen waren. Hatte bisher Boot 2 bei jeder Stromschnelle instinktiv die Ideallinie problemlos gefunden, wurde an einer recht harmlosen Wildwasserpassage der Fehler gemacht, dem Kielwasser eines vermeintlichen erfahrenen französischen Kanus direkt zu folgen. Nachdem die Franzosen vor uns, wegen eines Felsens, ihr Kanu fluchtartig verlassen mussten, kenterten wir ein paar Sekunden später ebenfalls. Tobias kümmerte sich um sein verlorenes Fass und bewältige mit seinem Fass wie ein Rodeoreiter die restliche Stromschnelle. Bernd kümmerte sich derweil um das Einsammeln des abgetriebenen Kanus und unserer Paddel. Eine kurze Inventur ergab dass ein Stoffbeutel mit 12 Dosen Bier, Tobias Schuhe und ein gelber Ikea Trinkbecher abgeschrieben werden mussten. Leider war der wasserdichte Plastikbeutel mit unseren Brotvorräten nicht ganz so wasserdicht wie vermutet. Da wir für den Abend auf dem Speisezettel keinen Hackbraten gelistet hatten, war das Brot nicht mehr verwendbar. Der mitgeführten Kamera bekam das Wasser der Ardèche gleichfalls nicht so gut, was letztendlich aber im nach hinein fast ein Glücksfall war, da es keinen Grund mehr gab, sich über die Handhabung dieser lausigen Kamera zu ärgern.

Zum Essen wurde an diesem Abend ein wunderbares Schäufele gereicht und wie am Abend zuvor, frisch angerichteten Salat in rauen Mengen. Durch regen Tauschhandel konnte für das Nachtessen und für das Frühstück ausreichend frisches Brot beschafft werden. Leider hatten wir das Pech, das anscheinend auf diesem Biwakplatz, das Jahrestreffen der härtesten und lautesten Schnarcher Frankreichs stattfand. Spitzenlautstärken von über 135 Dezibel wurden mühelos erreicht. Musikfestivals wie „Rock am Ring“ oder „Wacken Open Air” -Louder than hell- hätte man unter diesem Umständen umgehend abgebrochen.
Nach schlafloser Nacht, starkem Brummen und Summen in den Ohren, einem reichhaltigen Frühstück mit wunderbar duftendem Kaffee, ging es sofort in die Kanus um auf der Ardèche die nötige Ruhe, Entspannung und Einsamkeit zu finden. Neben einigen Stopps zum Baden, die Zubereitung einer Gulaschsuppe zu Mittag und dem  Betrachten von kieloben schwimmenden Booten gab es unsererseits keine besonderen Vorkommnisse.
              

Gegen 17:00 Uhr erreichten wir in Saint-Martin-D'Ardèche wohlbehalten den Anlandeplatz. Zur Feier des Tages gönnten wir uns ein wunderbares, mehrgängiges  Menü im Restaurant „Chez David“ in Aigueze. Für die Nachtruhe wurden keine Kosten und Mühen gescheut und wir erlaubten uns den Luxus einer Übernachtung auf dem Campingplatz „Camping des Georges“. Nach ausgiebigem Frühstück mit frischem Baguette, Croissants und Pain au chocolat traten wir pünktlich um 10:00 Uhr die Heimreise an. Gegen 17:30 Uhr erreichten wir wohlbehalten Offenburg und konnten dort unserem Technischen Leiter Fritz, unseren geringen übriggebliebenen Ballast zur weiteren Verwendung übergeben.